Zuhause ist vorübergehend geschlossen – Antje Huhs

Ani

 

dtv Verlag - 11.September 2025
978-3423221474
Taschenbuch - 368 Seiten - 13,00€
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Stell dir vor, kurz vor Weihnachten steht plötzlich ein ganz besonderer Besucher vor deiner Tür. Genau das passiert Annett: Ein Pfleger klingelt bei ihr und lässt einen alten Mann bei ihr zurück. Der Grund? Notstand in den Pflegeheimen. Die Pfleger:innen haben genug, erscheinen nicht mehr zur Arbeit, und die Regierung ruft den Ausnahmezustand aus. Wer Platz hat, muss ältere Menschen aufnehmen.

Annett ist völlig überfordert – und auf Unterstützung aus der eigenen Familie kann sie nicht zählen. Also stellt sich schnell die Frage: Wie wird man diesen unerwarteten Gast möglichst rasch wieder los?





Mich hat dieses Buch durch die Weihnachtszeit begleitet, und ich war begeistert. Es ist eine humorvolle, zugleich aber sehr herzerwärmende Geschichte, die immer wieder zum Nachdenken anregt. Unweigerlich fragt man sich beim Lesen: Wie würde ich selbst in dieser Situation handeln?

Durch die außergewöhnliche Belastung lernt Annett ihre Familie von einer ganz neuen Seite kennen. Die kleine Tochter akzeptiert den „neuen Opa“ völlig selbstverständlich. Der große Sohn hingegen zieht beleidigt zu Annetts Schwester, die ihr dringend rät, den alten Mann mithilfe einer Ausnahmeregelung schnellstmöglich wieder loszuwerden. Annetts Mann wiederum verweigert sich komplett, flüchtet sich in angebliche Überstunden und lässt Annett allein zurück. Neben den Weihnachtsvorbereitungen muss sie sich nun auch noch um den älteren Herrn kümmern – der überraschenderweise sehr klar im Kopf ist, obwohl der Pfleger von Demenz gesprochen hatte.

Erzählt wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven, unter anderem aus der Sicht einer Beamtin der Stadtverwaltung, die für die Zuteilung der älteren Menschen an Privathaushalte zuständig ist. Für sie wird die Situation besonders brisant, als plötzlich jemand im Amt erscheint und seinen Vater als vermisst meldet. Ein solcher Fehler dürfte doch eigentlich gar nicht passieren – oder etwa doch?

Dieses Buch hat mir richtig gut gefallen. Es zeigt nachvollziehbar, wie schnell eine Familie an ihre Grenzen geraten kann. Gleichzeitig stellt es wichtige Fragen: Wer sind diese älteren Menschen eigentlich? Welche Geschichten tragen sie mit sich? Was wünschen sie sich – und was kann man ihnen zumuten?

Die Geschichte lebt vom vorweihnachtlichen Trubel, von zwischenmenschlichen Begegnungen und von den kleinen und großen Abgründen des menschlichen Zusammenlebens. Dabei verzichtet das Buch auf einen erhobenen Zeigefinger oder moralische Belehrungen. Stattdessen zeigt es einfach: Was wäre, wenn?

Ein tolles Buch, das ich auf jeden Fall weiterempfehlen kann.



Anett


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