Down Cemetery Road (1) Zoë Boehm ermittelt in Oxford - Mick Herron

Ani

 

Diogenes Verlag - 22.Dezember 2025
978-3257301151
Paperback - 560 Seiten - 19,00€
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Mit Down Cemetery Road legt Mick Herron einen ungewöhnlichen Auftakt zur späteren Zoë-Boehm-Reihe vor – einen Kriminalroman, der sich Zeit nimmt, Erwartungen unterläuft und dabei eine dichte, leicht düstere Atmosphäre entfaltet.


Ausgangspunkt ist ein klassisches Mystery-Szenario: Eine Explosion erschüttert eine ruhige Wohngegend, ein Kind verschwindet, und schnell entsteht das Gefühl, dass hinter der Fassade weit mehr verborgen liegt. Doch statt geradlinig auf eine Lösung zuzusteuern, entwickelt sich die Handlung in viele Richtungen gleichzeitig. Herron arbeitet mit unterschiedlichen Perspektiven und lässt sich viel Raum, um Figuren und Hintergründe auszuleuchten.

Das ist einerseits eine große Stärke des Romans. Die Welt wirkt dadurch lebendig und komplex, die Figuren angenehm ungeschliffen und glaubwürdig. Nichts ist eindeutig, vieles bleibt lange in der Schwebe – genau das sorgt für eine unterschwellige Spannung, die den Roman trägt.

Andererseits bringt diese Erzählweise auch Schwächen mit sich. Besonders im Mittelteil verliert die Geschichte etwas an Zugkraft. Die zahlreichen Nebenstränge und Perspektivwechsel sorgen zwar für Tiefe, bremsen aber den Spannungsbogen spürbar aus. Der Roman wirkt stellenweise etwas zu ausufernd und hätte von einer strafferen Dramaturgie profitiert.

Ein weiterer Punkt ist die titelgebende Figur der Reihe: Zoë Boehm tritt vergleichsweise spät in Erscheinung. Für Leserinnen und Leser, die eine klare Hauptfigur erwarten, kann das irritierend sein. Zunächst scheint die Geschichte von anderen Figuren getragen zu werden, bevor Zoë schließlich ins Zentrum rückt. Sobald sie jedoch präsent ist, bringt sie eine ganz eigene Dynamik mit – trocken, scharf, eigenständig. Es wird schnell deutlich, warum sie die Reihe später prägen wird.

Zum Ende hin zieht das Tempo wieder deutlich an, und die zuvor gelegten Fäden laufen überzeugend zusammen. Das Finale belohnt die Geduld und rundet den Roman stimmig ab.

Fazit:
Down Cemetery Road ist ein intelligenter, atmosphärischer Krimi mit viel Gespür für Figuren und Zwischentöne. Der etwas schleppende Mittelteil und der späte Einstieg der zentralen Figur trüben den Gesamteindruck leicht, können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein spannender und vielversprechender Reihenauftakt vorliegt.


Anett.

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