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| avant Verlag - 16.April 2026 978-3964451583 Gebundenes Buch - 488 Seiten - 35,00€ Anzeige / Rezensionsexemplar |
Was für eine Geschichte! Ich wusste, dass GRAS keine leichte Lektüre werden würde. Aber was ich dann beim Lesen entdeckt habe, war so viel mehr, als ich erwartet hatte. Diese Geschichte klingt noch immer in mir nach und hat mich tief bewegt. Vor allem das Schicksal der sogenannten koreanischen „Trostfrauen“ hat mich unsagbar traurig und gleichzeitig wütend gemacht.
1943: Korea und Teile Chinas sind von der Kaiserlich Japanischen Armee besetzt. Die junge Lee Ok-seon wird verschleppt und nach China gebracht, wo sie als Zwangsprostituierte den japanischen Soldaten dienen muss. Was folgt, ist eine Geschichte von Gewalt, Ausbeutung und unvorstellbarem Leid, aber eben auch eine Geschichte über Überleben und Widerstandskraft.
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| GRAS - Avant Verlag - Keum Suk Gendry-Kim |
Lee Ok-seons Lebensgeschichte steht dabei stellvertretend für die Schicksale unzähliger koreanischer Mädchen und Frauen, die während des Zweiten Weltkriegs als sogenannte „Trostfrauen“ sexuell versklavt wurden. Doch GRAS erzählt nicht nur von dem, was ihnen während des Krieges widerfuhr. Auch die Jahre danach werden thematisiert, denn die Überlebenden waren häufig mit Ausgrenzung und Schweigen konfrontiert. Nachdem Lee Ok-seon mehr als fünfzig Jahre in China gelebt hat, kehrt sie als alte Frau nach Südkorea zurück. Erst spät bekommt ihre Geschichte den Raum, den sie verdient.
Keum Suk Gendry-Kim führte intensive Gespräche mit Lee Ok-seon in einem Heim für Überlebende in Südkorea und machte daraus dieses fast 500 Seiten starke Werk. Dabei gelingt es ihr, sich dem Erlebten mit großer menschlicher Würde zu nähern. Sie beschönigt nichts, aber sie arbeitet auch nicht mit unnötiger Dramatik oder reißerischen Effekten. Gerade diese Zurückhaltung macht die Geschichte für mich so eindringlich.
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| GRAS - Avant Verlag - Keum Suk Gendry-Kim |
Besonders beeindruckend fand ich die Zeichnungen. Gendry-Kim arbeitet mit schwarzer Tusche und einem traditionellen fernöstlichen Malerpinsel. Die kraftvollen Schwarz-Weiß-Zeichnungen wirken manchmal rau und geradezu verstörend, dann wieder unglaublich zart und melancholisch. Schmerz, Gewalt, aber auch kleine Momente von Menschlichkeit bekommen dadurch eine ganz eigene Intensität.
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| GRAS - Avant Verlag - Keum Suk Gendry-Kim |
Der Titel GRAS ist dabei eine wunderschöne und zugleich traurige Metapher. Gras wird niedergetreten, verschwindet beinahe unter den Füßen und richtet sich doch immer wieder auf. Genau darin liegt für mich die große Stärke dieser Geschichte: Trotz allem, was Lee Ok-seon und so viele andere Frauen erleben mussten, geht es auch um ihre unglaubliche Widerstandskraft.
Gendry-Kim zeigt mit GRAS einen Teil der Geschichte, über den viel zu lange geschwiegen wurde. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass sexuelle Gewalt nicht nur ein Problem vergangener Kriege ist, sondern mit gesellschaftlicher, geschlechtsspezifischer und sozialer Gewalt verbunden ist.
Mich hat GRAS ganz schön mitgenommen. Es ist keine leichte Lektüre und sicherlich kein Comic, den man einfach nebenbei liest. Aber es ist ein wichtiges Zeitdokument, eine beeindruckende Biografie und für mich vor allem ein aufrüttelnder Anti-Kriegs-Comic, der noch lange nach dem Zuklappen nachwirkt.
Ein Buch, das weh tut, aber gerade deshalb gelesen werden sollte.
Anett.




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