Platte 317 - Rayna Breuer

Ani

 

danube books - 15.September 2021
978-3946046257
Gebundenes Buch - 216 Seiten - 20,00€ 
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Platte 317 habe ich mir im Hinblick auf das Fokusthema der Leipziger Buchmesse 2026 vorgenommen. Was ich erwartet habe? Schwer zu sagen – auf jeden Fall nicht das, was ich letztlich bekommen habe.

Der Roman ist das Debüt der bulgarischen Autorin Rayna Breuer, die seit einigen Jahren in Deutschland lebt. Selbst in einer solchen „Platte“, der titelgebenden Platte 317, aufgewachsen, scheint sie ganz genau zu wissen, was die Menschen dort bewegt. Mit viel Sprachwitz, Empathie und einem feinen Gespür für zwischenmenschliche Nuancen bringt sie diese Welt eindrucksvoll zum Leben.



Das Buch hat mir wirklich gut gefallen – ich habe es sehr gern gelesen. Besonders spannend fand ich die Parallelen zur eigenen Wahrnehmung der Umbruchszeit um 1989. Auch wenn wir in Deutschland die Wendezeit – zumindest aus heutiger Perspektive – scheinbar einfacher erlebt haben, wird beim Lesen deutlich, mit welchen ganz anderen Herausforderungen die Menschen in Bulgarien konfrontiert waren. Und doch: Viele Gedanken, Hoffnungen und Ängste ähneln sich erstaunlich.

Da ist zum Beispiel Dimi, der bei der bulgarischen Eisenbahn Kohle transportiert hat, den Kommunismus liebte – und ihn noch immer liebt – und sich aus Protest im Keller einschließt. Seine Frau Stanka hingegen denkt pragmatisch und beginnt kurzerhand, selbstgemachte Pommes in Sofia zu verkaufen – zumindest so lange, bis der erste McDonald’s eröffnet.

In der Platte 317 lebt außerdem die Geschichtslehrerin Mira. Mit ihrer offenen Art ist sie schon immer angeeckt. Jetzt sieht sie ihre Chance gekommen: Sie möchte den Kindern endlich die wahre Geschichte ihres Landes vermitteln – ehrlich und ungeschönt. Schon lange arbeitet sie an einem neuen Geschichtsbuch.

Und so begegnen wir vielen Bewohnerinnen und Bewohnern des Hauses – Menschen mit ganz eigenen Geschichten, Hoffnungen und Verletzlichkeiten. Gerade diese Vielzahl an Perspektiven macht den Roman so vielschichtig und lebendig. Einige Geschichten haben mich dabei auch emotional gefordert. Besonders gegen Ende hat mich die Geschichte von Stefan sehr berührt – einem Mann, über den im Haus viele Gerüchte kursieren, den aber eigentlich niemand wirklich kennt.

Rayna Breuer ist mit Platte 317 ein vielschichtiger, eindrucksvoller Roman gelungen, den ich in kürzester Zeit verschlungen habe. Das Buch hat mich positiv überrascht und mir weit mehr gegeben, als ich erwartet hatte. Für mich ist es ein wirklich besonderes Debüt, das ich sehr gern weiterempfehle.


Anett


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