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| KiWi Verlag - 13.August 2026 978-3462055306 Gebundenes Buch - 240 Seiten - 20,00€ - Anzeige / Rezensionsexemplar - |
Ein Plädoyer für das Miteinander, auch wenn die Gegensätze unüberwindbar scheinen.
Ein neues Buch von Monchi, dem Sänger der Band Feine Sahne Fischfilet, und doch ist es ganz anders als sein erstes Buch Niemals satt. Darin ging es um seine Gewichtsabnahme und darum, wie sich sein Leben dadurch verändert hat. Mit Jenseits der Brandmauer widmet er sich nun einem Thema, das aktueller kaum sein könnte.
Gerade erst waren die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt. Und ich denke, dass viele demokratische Wählerinnen und Wähler mit einem gewissen Blick für die Realität ziemlich schockiert auf die Ergebnisse schauen. Auch Monchi beschäftigt sich mit den politischen Entwicklungen in unserem Land. Sein Buch beginnt mit der Bundestagswahl 2025 und dem Ergebnis, dass in seinem Geburtsort 54 Prozent der Stimmen an die AfD gingen.
Für Monchi, der in seinem Dorf bekannt ist wie ein bunter Hund und immer wieder mit Morddrohungen konfrontiert wird, ist das alles andere als einfach. Er liebt sein Leben in der vorpommerschen Provinz, mit seiner Familie, seinen Freunden und seit Neuestem auch mit dem Proberaum seiner Band. Doch wie lebt man miteinander, wenn die politischen Ansichten immer weiter auseinandergehen?
Genau diese Zerrissenheit spürt man in seinen Texten. Und gerade das macht das Buch für mich so besonders.
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| ©KiWi Verlag |
Was mir besonders gefallen hat, ist Monchis Entwicklung.
Er betrachtet die Welt mittlerweile nicht mehr nur in Schwarz und Weiß. Er stempelt Menschen nicht einfach ab, sondern schaut hin, fragt nach und sucht das Gespräch. Auch mit Menschen, deren politische Ansichten er nicht teilt. Er möchte wissen, welche Probleme und Ängste sie beschäftigen. Dabei spricht er ihnen ihre Sorgen nicht ab, zeigt aber auch auf, warum die Wahl einer Partei wie der AfD für sie keine gute Lösung sein kann.
Monchi setzt sich auseinander. Er hört zu, diskutiert und versucht zu verstehen. Aber er wird auch müde davon. Und es gibt Situationen, in denen man einfach mal die Klappe hält und andere ihren Frust loswerden lässt.
Ich finde, dass er sich in den vergangenen Jahren sehr verändert hat. Er ist nachdenklicher geworden und vielleicht auch ein wenig gelassener. Das macht ihn für mich als Autor sehr nahbar und seine Gedanken umso glaubwürdiger.
Eine wichtige Rolle spielt dabei der Unterschied zwischen Stadt und Land. Monchi hat eine Weile in Rostock gelebt und weiß, wie unterschiedlich das Zusammenleben dort und in einem kleinen Dorf funktionieren kann. Die Brandmauer, so schreibt er, ist eben auch ein Begriff aus der Großstadt. Dort kann man Menschen, mit denen man nicht einer Meinung ist, oft einfach aus dem Weg gehen. Auf dem Land funktioniert das nicht. Man begegnet sich beim Einkaufen, auf dem Dorffest oder im Alltag. Man lebt miteinander, ob man will oder nicht.
Und genau das beschreibt Monchi mit vielen tollen Beispielen. Er zeigt, wie kompliziert dieses Zusammenleben sein kann, wenn politische Überzeugungen aufeinandertreffen. Er ist der Meinung, dass man sich streiten darf und auch sollte, solange das auf menschlicher Ebene geschieht. Man darf unterschiedlicher Meinung sein, bis zu einem gewissen Punkt. Aber man sollte dabei nie aus den Augen verlieren, was uns verbindet, statt immer nur darauf zu schauen, was uns trennt.
Ganz besonders gefallen haben mir auch die Texte rund um das Festival Wasted in Jarmen. Was die Band in ihrem Geburtsort einmal im kleinen Rahmen aufgezogen hat, ist mittlerweile zu einem riesigen Ereignis geworden. Und wie die Dorfbewohner und die Jugend gemeinsam mit anpacken, finde ich einfach toll. Es zeigt, was möglich ist, wenn Menschen zusammen etwas auf die Beine stellen, selbst wenn sie ansonsten vielleicht nicht viel miteinander verbindet.
Für mich war Jenseits der Brandmauer ein spannender Einblick in die Welt des Autors und Sängers. Monchi schreibt manchmal derb, aber immer authentisch. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, hinterfragt sich aber auch selbst und verschweigt nicht, wenn ihm das Miteinander schwerfällt.
Was ich an diesem Buch ebenfalls sehr schätze: Es gibt keine einfachen Antworten und auch keine fertigen Lösungsvorschläge. Monchi zeigt vielmehr, wie kompliziert das Leben miteinander sein kann, wenn politische Überzeugungen, persönliche Ängste und die Wirklichkeit aufeinanderprallen.
Der KiWi Verlag beschreibt das Buch als „ein Plädoyer gegen Schwarz-Weiß-Denken und für den Versuch eines Miteinanders, wenn die Gegensätze unüberwindbar scheinen“. Das trifft für mich ziemlich genau, worum es hier geht.
Mich hat das Buch begeistert. Ich habe es unglaublich schnell gelesen und war von Anfang an mitten in Monchis Gedankenwelt. Es ist ein realistischer, ehrlicher und sehr persönlicher Einblick in ein Leben, in dem Politik eben nicht nur eine Frage der Überzeugung ist, sondern auch ganz unmittelbar den Alltag bestimmt.
Und weil ich nicht nur seine Texte, sondern auch die Musik von Feine Sahne Fischfilet liebe, freue ich mich umso mehr, dass ich im Dezember wieder zu seiner Lesetour gehen werde. Das wird großartig!
Anett
Weitere Links:
Jenseits der Brandmauer - KiWi Verlag
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