True Crime: SOKO Erle aus dem Hansanord Verlag

Ani

 

hansanord Verlag - 18.Mai 2020
978-3947145362
Paperback - 252 Seiten - 14,90€ 
- Anzeige / Rezensionsexemplar - 


Mit SOKO Erle von Walter Roth habe ich ein True-Crime-Buch gelesen, das mich auf eine andere Weise beschäftigt hat als viele andere.

Im Jahr 2016 verschwindet im Kaiserstuhl eine 27-jährige Joggerin. Später wird sie tot aufgefunden. Bereits wenige Wochen zuvor wurde im etwa 30 Kilometer entfernten Freiburg eine junge Frau ermordet. Die Frage nach einem möglichen Zusammenhang steht von Beginn an im Raum.

Das Buch gibt einen sehr direkten Einblick in die Arbeit der Sonderkommission. Walter Roth war als Polizeisprecher selbst in den Fall involviert, und genau das spürt man beim Lesen. Die Darstellung wirkt nahbar und sachlich, ohne dabei an Intensität zu verlieren.


Die Ereignisse werden chronologisch erzählt, sodass man den Verlauf der Ermittlungen Schritt für Schritt mitverfolgen kann. Von der Vermisstenmeldung bis zur Identifizierung des Täters ist es ein langer und oft mühsamer Weg. Besonders eindrücklich fand ich die Vielzahl an Spuren, denen nachgegangen wurde. Am Ende ist es Spur Nummer 4.334, die zur Aufklärung führt. Diese Zahl macht sehr deutlich, wie viel Arbeit, Geduld und Ausdauer hinter solchen Ermittlungen stehen.

Mich hat beeindruckt, mit welcher Konsequenz jede Spur geprüft wurde. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie zunächst naheliegend wirkt oder ungewöhnlich erscheint. Gerade diese Gründlichkeit zeigt, wie komplex ein solcher Fall ist.

Was dieses Buch für mich besonders gemacht hat, ist der Verzicht auf jede Form von Effekthascherei. Die Geschichte wirkt nicht laut oder dramatisiert, sondern gerade durch ihre Sachlichkeit so eindringlich. Vielleicht ist sie genau deshalb so schwer auszuhalten, weil man sich immer wieder bewusst macht, dass all das tatsächlich passiert ist.

Zu Beginn wird auch ein Mordfall im österreichischen Kufstein erwähnt. Der mögliche Zusammenhang erschließt sich jedoch erst im Laufe der Ermittlungen, was die Spannung auf eine ruhige, aber nachhaltige Weise aufbaut.

Am meisten nachgewirkt hat für mich der Gedanke an die Familie des Opfers. Die lange Zeit der Ungewissheit, die Gerüchte und die öffentliche Aufmerksamkeit müssen kaum auszuhalten gewesen sein. Umso bemerkenswerter finde ich es, dass sie der Veröffentlichung dieses Buches zugestimmt hat. Vielleicht trägt es dazu bei, offene Fragen zu klären und den Fokus wieder auf die Fakten zu lenken.

Anett

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