Katabasis – Rebecca F. Kuang

Ani

 

Eichborn Verlag - 26.August 2025
978-3847902164
Gebundenes Buch - 656 Seiten - 28,00€ 
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Ich war mir lange nicht sicher, ob ich noch einmal ein Buch von Rebecca F. Kuang lesen möchte. Mit Babel hatte ich sprachlich so meine Schwierigkeiten und bin beim Lesen mehr als einmal an meine Grenzen gestoßen. Gleichzeitig hat mir aber gerade dort die Geschichte sehr gut gefallen – ebenso wie die politischen Themen, die Kuang verhandelt.

Also habe ich mich erneut auf ein über 650 Seiten starkes Werk eingelassen und wollte es wissen: Gefällt es mir – oder eben nicht?

Am Ende war es das Thema, das den Ausschlag gab. Einmal Hölle und zurück? Ja bitte. Da bin ich sofort dabei.


Katabasis, Substantiv, Altgriechisch:
Die Geschichte eines Helden, der in die Unterwelt hinabsteigt.



Alice Law, Doktorandin in Cambridge, beschließt, in die Hölle hinabzusteigen, nachdem ihr Doktorvater Jacob Grimes bei einem Unglück ums Leben gekommen ist. Sie will ihm folgen – und ihn zurückholen. Ihr Mitstudent Peter Murdoch verfolgt denselben Plan und schließt sich ihr an, als er Alice bei der Vorbereitung ihres Rituals überrascht. Auch er möchte Grimes zurückbringen.


Doch die Hölle ist anders als erwartet. Zwar existieren die bekannten Höllenkreise, doch sie entsprechen weder den theoretischen Abhandlungen, die Alice und Peter zuvor studiert haben, noch den gängigen Vorstellungen der Leser*innen.

Es gibt zahlreiche Verweise auf Dante, Orpheus und T. S. Eliot. Während mir persönlich vor allem Dantes Werk vertraut ist, waren mir die anderen Bezüge weniger geläufig – was dem Leseerlebnis jedoch keinen Abbruch tat, da vieles verständlich erklärt wird.


Mit Alice hatte ich zwischendurch meine Schwierigkeiten. Ihr Ehrgeiz kippt oft in Rücksichtslosigkeit, und ich konnte lange nicht nachvollziehen, warum sie so verbissen an Grimes festhält und ihn immer wieder verteidigt. Denn im Verlauf der Geschichte wird deutlich: Der Professor ist nicht nur toxisch, sondern betreibt auch massiven Machtmissbrauch und ist stellenweise schlicht grausam. Gerade diese Auseinandersetzung mit akademischen Abhängigkeitsverhältnissen und strukturellem Missbrauch hat mir jedoch besonders gut gefallen.


Auch wenn ich nicht jede Verknüpfung aus Magie, Paradoxien, Mathematik und Logik vollständig durchdrungen habe – und manches in der Darstellung der Hölle vielleicht etwas zu einfach geraten ist – hat mich das Buch insgesamt sehr überzeugt. Die vielen Seiten flogen nur so dahin, und das Lesen hat wirklich Spaß gemacht.


Ich habe Katabasis gemeinsam mit meinem Buchclub gelesen, und es bildeten sich schnell zwei Lager: Man liebt dieses Buch – oder man kann gar nichts damit anfangen. Letztlich sollte jede*r selbst entscheiden, was sie oder ihn anspricht.

Verschiedene Buch- und Hörbuchausgaben, die im Buchclub gelesen wurden


Für mich ist Katabasis, genau wie Babel, sprachlich ein Meisterwerk. Umso erleichterter war ich, dass es diesmal ohne ellenlange Fußnoten auskam. Und auch das Ende hat mich zufrieden zurückgelassen – versöhnt mit der Geschichte und ihren Figuren.



Anett


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