VOX - Christina Dalcher

Ani
Foto by Anetts Bücherwelt
Über dieses Buch:
Ihr könnt uns die Worte nehmen, aber zum Schweigen bringen könnt ihr uns nicht!

Als die neue Regierung anordnet, dass Frauen ab sofort nicht mehr als hundert Worte am Tag sprechen dürfen, will Jean McClellan diese wahnwitzige Nachricht nicht wahrhaben - das kann nicht passieren. Nicht im 21. Jahrhundert. Nicht in Amerika. Nicht ihr.
Das ist der Anfang.“

Ich habe mich sehr auf das Buch gefreut und wollte es unbedingt lesen. Gleich beim lesen kam mir der Verdacht, dass es doch etwas von Margaret Atwoods Roman „Der Report der Magd“ gemein hat. Zumal ich das Buch erst kürzlich gelesen habe und mir noch vieles im Gedächtnis geblieben ist..
Und trotzdem ist das Buch „VOX“ anders.

Aber auch hier stellt sich die Frage, wie kann es soweit kommen, dass Frauen dermaßen unterdrückt und in die 50er Jahre zurück geworfen werden? Es ist ein schleichender Prozess und es gibt zu wenige, die kommen sehen, wohin es geht. Die Leute, für die klar ist, was auf sie zu kommt, protestieren dagegen. Nach und nach werden die Rechte der Frauen eingeschränkt, aber viele Frauen finden das gar nicht schlimm. Natürlich ist es besser, dass der Mann arbeiten geht und die Frau daheim bleibt, den Haushalt erledigt und die Kinder groß zieht. Wah!!!! An dieser Stelle könnte ich immer wieder schreien. Wieso haben die Frauen so lange für ihre Rechte gekämpft? Warum existiert immer wieder dieses Weltbild (auch in der realen Zeit heute existiert es bei vielen immer noch)?

Hier wird auch aufgezeigt, was zum teil falsch lief. Die Protagonistin Jean war viel zu sehr beschäftigt, um mit ihrer Freundin dagegen zu protestieren, um ihre Freundin überhaupt ernst zu nehmen. Erst ist sie mit dem Studium, dann mit dem Beruf, danach mit Mann und Kinder beschäftigt. Jean ist politisch total unbedarft und geht noch nicht mal wählen. Ja, und dann wird natürlich der gewählt, der das ganze Drama ins rollen bringt.
Damit zeigen sich deutliche Parallelen auch zur heutigen, realen Zeit -finde ich. Es ist schon kurz vor zwölf, um politisch ohne Meinung dazu stehen und sich dafür einzusetzen. Und es ist heute noch wichtiger denn je, wählen zu gehen! Sonst sitzen einfach die falschen Menschen an der Macht. Und Menschen mit Macht können echt schlimm sein!

Nachdem den Frauen das Recht zu sprechen entzogen wurde, geht es natürlich in die nächste Generation. Mädchen wachsen schon damit auf, nicht zu sprechen, was ich am entsetzlichsten von allem fand. Hier werden Situationen gezeigt, die mir als Mama echt das Herz brechen – will aber nicht spoilern und zuviel verraten.

Und natürlich geht es zur Schule – Jungs und Mädchen schön getrennt und auch haben sie verschiedenen Unterricht. So werden die Jungs schon mal nach der neuen Form unterrichtet und bekommen schon in der Schule eine Hirnwäsche. Ihnen wird impliziert, wie wichtig es ist, dass die Frauen dem Mann untergeordnet sind, sie nichts zu sagen haben und einfach nur funktionieren sollen.
Der Sohn der Protagonistin fällt auf all dies herein und zeigt alsbald seiner Mutter und seiner jüngeren Schwester, wo sie in der Familie stehen.
Hier hat die Autorin auch ganz klar aufgezeigt, was solche Regeln / Gesetze / Verbote mit der Familie machen. Wie Familien darunter leiden, dass die Frauen nicht kommunizieren können.

Das alles hat mir wahnsinnig gut gefallen.
Auch die rolle von Jean als Wissenschaftlerin, die sie einst war. Sie betrieb Hirnforschung, um Menschen zu helfen, die ihre Sprache verloren haben, demzufolge war sie eine der ersten, die ihren Job verloren hatte.
Aber genau dies kommt ihr zu gute, als sie nämlich dringend benötigt wird. Aber auch hier möchte ich nicht zu viel verraten.

Aber es gibt auch ein paar Kritikpunkte meiner Meinung nach. 

(Hier gibt es nun Spoiler - für alle, die es nicht lesen wollen)



So hat mir beispielsweise die Affäre von Jean mit ihrem italienischen Kollegen Lorenzo so gar nicht gefallen. Ja, es brauchte etwas in der Art, um zu dem Schluss zu kommen, der kam, aber ich finde, das hätte man auch ohne Affäre schreiben können, ich brauch solche Dreiecksgeschichten nicht.
Immer wieder Jeans Vergleiche zwischen ihrem Mann Patrick und dem Liebhaber Lorenzo gingen mir echt auf die Nerven.

****Spoiler   Ende ****

Und dann war da noch das Ende vom Buch. Das kam so schnell, es wurde viel zu einfach abgehandelt, mir hätte da ein bisschen mehr Bäng viel besser gefallen.

Alles in allem finde ich das Buch sehr spannend, wichtig und empfehle es auch wirklich weiter. Trotz der Kritikpunkte, die ja auch jeder anders sieht. Aber das Thema finde ich einfach gut und wichtig.
Das im realen Leben es keine so schnelle gemeinschaftliche Gesamtlösung existieren würde sei mal dahin gestellt.
Manchmal tun Büchern Ende ohne Happy End auch gut.


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VOX von Christina Dalchert
S.Fischer Verlag / 15.08.2018
ISBN: 978-3103974078
Gebunden: 20,00 Euro
E-Book: 16,99 Euro
400 Seiten




Weitere Meinungen zum Buch:

Anna -Ink of Books
Sternenbrise
Leselust 
Tintenhain
KeJas Blogbuch




Kommentare:

  1. Liebsten Dank für die Verlinkung :-* Bist nun auch unter meiner Rezi zu finden!

    Ohjaaaa, WHY? Warum die Affäre?! (Solltest du als Spoiler markieren, kommt erst sehr spät) und der Sohn hätte auch noch mehr in Erscheinung treten dürfen - dieser Konflikt zwischen Mutter und Sohn. Beim lesen selbst jedoch hatte ich dies gar nicht als Kritik, kam erst später - da stand Rezi schon :D


    Und definitiv hat mich die Tochter auch berührt, Kapitel 7 wars oder? HUI


    Liebe Grüße :-*

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    1. Vielen dank ebenfalls für die Verlinkung!
      Ja solche Affären brauch ich nicht wirklich in Geschichten, ich bin da echt eigen ;) Jean wäre ohne noch viel gestärkerter gewesen meiner Meinung nach!
      Ohja, die Tochter....ich hätte heulen können!!!!

      Liebe Grüße Anett

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