Krokodilwächter – Katrine Engberg

Ani
Foto Anetts Bücherwelt
Er beginnt mit der gespannten weißen haut an der Schläfe, spürt, wie die Spitze des Messers aufsetzt, und wird ein Teil von ihr, bevor er anfängt zu ziehen. Über die Stirn, über den Nasenrücken, über die runde Mädchenwange und zurück zur Schläfe.
(Seite 159)

So schreibt es zumindest den Krimi der pensionierten Esther de Laurenti. Aber plötzlich wird ihr Krimi Wirklichkeit, und ausgerechnet Julie Stender fällt dem Mörder in die Hände. Julie ist eine junge Freundin und wohnt im selben Haus von Esther.

Nun erscheinen die beiden Ermittler Jeppe Korner und Anette Werner auf dem Feld. Und ich war begeistert! Wie oft habe ich in letzter Zeit das Klischee der Ermittler gehabt, alle irgendwie hinüber. Aber hier ermitteln zwei, die mir gleich sympathisch waren. Zwar ist Jeppe getrennt von seiner Frau und er leidet auch darunter, aber er trinkt sich seinen Kummer nicht weg – sehr gut! Anette ist in einer glücklichen Beziehung, viel mehr hat man von ihr nicht erfahren. Ja, die privaten Bereiche der Ermittler bleiben recht kurz, was ich sehr gut fand, denn so blieb echte Zeit für das Geschehen und die Story.

Das Debut der Autorin kann sich durchaus sehen lassen. Es ist ein Krimi der ziemlich unaufgeregt, aber spannend bis zum Schluss daher kommt. Es werden immer wieder neue Spuren gelegt und ich habe bis zum Schluss gerätselt, wie die Dinge zusammen hängen.
So haben die Ermittler kaum den ersten Verdächtigen, ist dieser auch schon wieder tot.

Wir haben ihn gerade erst gefunden. Er liegt im Kronleuchter.“
(Seite 201)

Anfangs hatte ich noch ein paar Probleme mit den Namen, da der Krimi in Dänemark spielt, aber da habe ich recht schnell rein gefunden. Auch gibt es kaum Beschreibungen der Orte, aber das ist völlig in Ordnung, so konnte man sich wirklich genau auf den Fall und dessen Aufklärung einlassen.
Auch die restlichen Personen konnte die Autorin gut beschreiben, so ist mir auch besonders sympathisch Esther de Laurenti erschienen, auch wenn sie gerne mal das eine oder andere Glas Rotwein zuviel trinkt. Aber sie hat mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen, was nach und nach geklärt wird.
Esther ist empathisch und kümmert sich rührend um Gregers, ebenfalls Bewohner des Hauses, der im Krankenhaus liegt.

Hat man anfangs noch ein junges, schüchternes Mädchen als Julie vor Augen, wird man im Laufe der Ermittlungen eines besseren belehrt. Und der Fall entpuppt sich als tragischer, als gedacht. Vieles aus der Vergangenheit wird ans Licht gebracht, vieles neu beleuchtet. Diese Entwicklungen fand ich sehr gut gemacht.

Mein Fazit zum Buch, welches mir nie wie ein Debut vorkam, kann sich sehen lassen. Ich bin begeistert, sowohl von den Protagonisten, als auch von der Handlung und vom Schreibstil sowieso. Katrine Engberg hat so spannend und ruhig diesen Krimi geschrieben, dass ich ihn kaum aus der Hand legen konnte und die – immerhin – über 500 Seiten an zwei Tagen durch gelesen hatte.
Und da dies der Auftakt einer Serie ist, freue ich mich auf weitere Teile davon.

Ach, und was ist denn nun ein Krokodilwächter? Auch das wird recht spät aufgelöst und man hat einen Aha-Effekt!

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Krokodilwächter von Katrine Engberg
Originaltitel Krokodillevogteren
Übersetzer Ulrich Sonnenberg
Diogenes Verlag – 28. März 2018
ISBN 978-3257070286 / 3257070284
Gebunden:22 Euro / E-Book 18,99 Euro
512 Seiten


Cover Diogenes Verlag








Kommentare:

  1. Unaufgeregt, aber Spannend - meine bevorzugte Kombi <3 Ich bin es einfach leid diese überzogenen Actionszenen bei Krimis & Thriller(n?) zu lesen! Ab und wenn passt es zur Geschichte, meist ist es aber völlig deplatziert, nur um einfach Turbo reinzubringen. Action ist niemals = Spannung!

    Ich liebe es wenn die Prota-Namen passend zum Land, in dem die Geschichte spielt, sind (=

    Liebe Grüße
    Janna

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    1. Hallo Janna,
      mittlerweile geht es mir auch so, dass ich die ruhigen Krimis/Thriller mehr mag - man muss auch mehr darüber nachdenken!

      Liebe Grüße Anett

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    2. Das mag ich eh, wenn ich zum miträtseln und nachdenken angeregt werde und keine 0815 Geschichte vorgesetzt bekomme! Wobei, wenn(!) diese gut geschrieben sind, können die auch unterhaltsam sein

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  2. Hallo Anett,
    Deine Rezension ist ja mal der Hammer und macht wirklich Lust auf das Buch. Kein Wunder also, dass es soeben auf meine WL wanderte.

    Vielen Dank!
    Liebe Grüße aus Wien,
    Conny

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