Acht Städte, sechs Senioren, ein falscher Name und der Sommer meines Lebens – Jen Malone

Ani
Foto Anetts Bücherwelt


 „Es gibt doch diese Filmszenen, in denen sich die ungleichen Helden mit einem Mal zu einem Team Zusammenfinden und in Zeitlupe die Strasse runter marschiert kommen, während dazu laut der Soundtrack plärrt. Tja, und jetzt stelle man sich das Ganze mit sechs Rentnern vor.“

Aubree ist das ganze Gegenteil ihrer Schwester. Während diese ihren Collageabschluss in der Tasche hat und bereits als Wahlkampfhelferin aufgestellt, ist Aubree im Sommer vor ihrem Collage und weiß so gar nicht, was sie will. Am liebsten erst einmal den ganzen Sommer am hauseigenen Pool mit Freundinnen chillen und so rein gar nichts tun.

Durch sehr widrige Umstände muss nun Elizabeth über den Sommer daheim bleiben, aber sie sollte einen Reisegruppe durch Europa führen, dass ist ein Job, der an dem Job der Wahlkampfhelferin dran hängt. Das bedeutet, sie muss diesen Reiseleiterjob auch unbedingt machen! Aubree ist die Lösung, sie muss den Job übernehmen.
Aubree ist dezent überfordert, ist sie doch noch nie daheim raus gekommen und hatte auch nicht vor, die große, weite Welt zu sehen. Aber da sie ja auch an Elizabeths Dilemma schuld ist, lässt sie sich breit schlagen und übernimmt den Job – als Elizabeth.

Eigentlich sollte von vornherein klar sein, dass das schief gehen muss!
Aber Aubree reist nach Amsterdam und nach ersten Schwierigkeiten landet sie im richtigen Hotel und lernt „ihre“ Rentner kennen.
Diese sind (natürlich) alle grundverschieden, aber im Laufe der Reise lernt auch der Leser die Rentner besser kennen und ich mochte sie irgendwie alle. Auch wenn der Texaner Hank richtig prollig und laut ist, irgendwie war er liebenswürdig und es braucht doch auch so einen Menschen in einer Reisegruppe. Am meisten sind mir natürlich Emma und Mary ans Herz gewachsen!

Richtig interessant wird es allerdings, als später der Sohn der Chefin des Reiseunternehmen dazu stößt, aus besonderen Gründen. Aubree hat schon täglich mit ihm telefoniert und dabei haben die beiden immer etwas geflirtet. Und nun steht er tatsächlich bei ihr und soll sie auf der weiteren Reise begleiten, sie als Elizabeth. Spätestens jetzt ist dem Leser klar, das geht schief.

Aus der chaotischen Aubree wächst aber so langsam ein neuer Mensch, sie wird selbstbewusster, erwachsener. Nach und nach kann man ihre Entwicklung spüren und das empfand ich als sehr gut.
Vieles war sicherlich überzogen und von Klischees überladen. Das fand ich manchmal etwas anstrengend. So scheint es in Deutschland nur Blutwurst zu essen zu geben und jeder trägt Jägerhut und Lederhose. In Amsterdam scheint außerdem jeder mit Holzschuhen rumzulaufen usw. Das setzt sich immer wieder fort, und ich weiß nicht, ob das die Autorin ernst meint oder nur mit Klischees spielen mag.

Allerdings hat mich die Reise an sich und das Setting in den Städten immer wieder entschädigt. So konnte man mit Aubree in Wien oder Prag bummeln, in Italien am Strand liegen oder auf dem Boot fahren. Ich mag solche Romane sehr gern und auch hier konnte mich dieser „Road-Trip“ verzaubern.

Einmal angefangen, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen, es machte so viel Spaß. Außerdem ließ sich das Buch recht schnell und flüssig lesen.
Und das Schönste: Aus dem Couchpotato Abree wurde eine junge Frau, die das reisen plötzlich liebte, die das Besondere an den neuen Städten, die sie für sich entdeckte, fand.

Auf jeden Fall ein toller Jugendroman, den ich klar empfehlen kann. Ich werde ihn auf jeden Fall in meiner Lesegruppe für die 12-15 jährigen vorstellen!




Anett.

Anzeige / Rezensionsexemplar
Magellan Verlag\ 16.01.2019\ISBN 978-3734854057\
320 Seiten\Taschenbuch 13,00€



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