***---***Special 30 Jahre Friedliche Revolution ***---*** [Jugendbuch] Jenseits der blauen Grenze – Dorit Linke

Ani


Anetts Bücherwelt
Hanna und Andreas sind ins Visier der DDR Staatsmacht geraten.
Immer, und immer wieder. Schon in der Schulzeit eckte hauptsächlich Andreas immer wieder an. Er konnte sich einfach nur schlecht anpassen. Schlug immer wieder aus der Reihe. Hauptsächlich verbal. Das ging nicht. Kinder und Jugendliche mit eigener Meinung? Das muss ihnen ausgetrieben werden!
Anetts Bücherwelt


Das Buch beginnt im Grunde bereits mit der Flucht der beiden – über die Ostsee – schwimmend! Ich glaube, dass waren so ziemlich die schwersten Fluchtversuche, die es überhaupt gab. Es sieht so nah aus – der Westen, aber es ist kein Schwimmbad, es ist die offene See und es lauern jede Menge Gefahren. Nicht nur die Grenztruppen und Kampftaucher der DDR.

Wir begleiten Hanna und Andreas also bei ihrer Flucht. Und immer wieder schaut Hanna gedanklich zurück und erinnert sich an ihre Jugend in der DDR und warum sie sich genau jetzt mit Andreas auf der Flucht befindet.

Dabei lernen wir die beiden und ihre Klassenkameraden Sachsen-Jensi gut kennen. Und wir lesen, wie es war, damals in der DDR.
Für mich immer wieder ein großes Kopfschütteln beim lesen, war es doch so oder so ähnlich auch mir ergangen. Manchmal war ich so nah an meinen eigenen Erinnerungen, dass ich fast hätte in Tränen ausbrechen können.
Was ist das denn, mit dieser Nostalgie?

Im Grunde war ich so froh, dass ich ein Kind der Wendezeit bin, dass ich die Möglichkeit hatte, aus meinem vorbestimmten Leben auszubrechen. Denn vorbestimmt war es doch. Es ging schon damit los, dass ich nicht werden konnte, was ich wollte. Schon bei Zeiten wurde mir mitgeteilt, wie gut ich auch schulisch bin, ein Kind aus der Arbeiterklasse studiert nicht! Auch das war ein Grund, weswegen ich rebellierte (siehe auch meinen Beitrag aus der Vorwoche → Hier). Bis wir uns zum Halbjahreszeugnis der 10. Klasse bewerben mussten, hatte ich keinen Plan, was mit mir geschehen sollte. Aber zum Glück hatten wir ja in der DDR geschultes Personal, die mich genau dahin gebracht haben, wohin sie mich bringen wollten (Achtung Ironie!)
In den Handel, woanders hin geht gar nicht. Was? Du willst aufs Schiff? Vielleicht noch in internationale Gewässer? Du nicht!

Es gab einfach so viel, gegen das ich wirklich aufbegehren wollte und zum Teil auch gemacht habe. Für mich war es wirklich ein Glück, dass es im Herbst 1989 langsam anders wurde, denn irgendwann wäre das bestimmt nicht mehr gut ausgegangen.

Und unsere beiden Protagonisten Hanna und Andreas?
Die hatten sicherlich eine recht angenehme Kindheit ( wie ich auch!). Man konnte gut leben – wenn man Abstriche machte. So sind sie beispielsweise mal in Berlin gewesen und haben sich gewundert, was da alles so zu kaufen gab. Ha – ging mir ganz genauso! Berlin hatte Hauptstadtbonus, d.h. Da gab es einfach mehr, weil da eben mehr Leute aus dem Westen zu Besuch kamen und sie sehen sollten, es geht uns gar nicht so schlecht.

Aber da war auch die politische Erziehung in der Schule. Wehrunterricht, FDJ Studienjahr usw. Überall wurde man auf den Staat getrimmt und das es genauso sein soll. Kritische Fragen? Wurden unterbunden. Kritische Äußerungen? Wurden bestraft.
Dabei hatte ich echt noch Glück. Unser Staatsbürgerkundelehrerin hat mich manches mal zu sich beordert, aber meist blieb es bei einer mündlichen Verwarnung. Ich soll mich doch mal zusammen reißen! Nicht immer so gegen alles sein, das ist auch nicht gut fürs gesamte Klassenkollektiv!

Aber was habe ich noch zu dem Buch zu sagen?
Ich fand es spitze! Auch wenn ich in Zeiten zurück versetzt wurde, die ich vergessen wollte, auch wenn ich mir manche Träne verdrückt habe, ich bin von dem Buch total überzeugt. Noch dazu, weil die beiden Protagonisten genauso alt sind wie ich, das bringt mich ihnen nochmal ein Stück näher.

Außerdem habe ich noch einen guten Bericht online gefunden, über die DDR Flucht über die Ostsee. Mindestens 174 Erwachsene und Kinder haben diese gefährliche Flucht nicht überlebt:

Die Ostsee - eine gefährliche Fluchtroute


Der Autorin merkt man total an, das sie weiß, von was sie schreibt. Selbst geboren 1971 und in Rostock aufgewachsen. Sie war Leistungssportlerin und Rettungsschwimmerin – das merkt man ganz genau, wenn man von der Flucht auf der Ostsee liest.
Ich finde, dieses Buch gehört in den Schulunterricht! Der Magellan Verlag hat dazu auch in seinem Downloadbereich eine Lehrerhandreichung im Unterrichtsmaterial. Das finde ich eine tolle Idee – vielleicht wird ja das Buch wirklich mal fest in den Lehrplan mit aufgenommen, auch das ist deutsche Geschichte!
Ich 1979 - letztes Kindergartenjahr & meine Einschulung


Habt einen guten Tag
Anett.


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Magellan Verlag – ISBN 978-3734882012
25.Juli 2019 – 304 Seiten – 9,00€


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